Schloss Marchegg

Wo sich König und Storch treffen

© Bwag/Wikimedia

Das Schloss in Marchegg wurde durch König Ottokar II von Böhmen als Wasserburg gebaut und war ein Teil der Stadtbefestigung Marcheggs. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Burg stammt aus dem Jahr 1268. Fast 400 Jahre später wurde der Wassergraben zugeschüttet, die Eckbastion entfernt und die Burg zu einem Barockschloss umgebaut. In den darauf folgenden zwei Jahrhunderten war das Schloss hauptsächlich Jagdschloss und Sommersitz der ungarischen Fürstenfamilie Pálffy ab Erdöd. Die ehemaligen Jagdgründe rund um das Schloss sind seit 40 Jahren ausgewiesenes Naturschutzgebiet und vom WWF betreut.

Direkt im Schlosspark liegt das Heimatmuseum Marchegg. BesucherInnen können hier das Flair des ländlichen Kleinbürgerhauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts spüren. Zudem bekommen Sie Einblicke in die industrielle und landwirtschaftliche Marchegger Vergangenheit als auch in die historische Entwicklung der Stadt.

Schloss Marchegg ist der Hauptaustragungsort der NÖ Landesausstellung 2022 in der Region Marchfeld. Der Ausstellungsbetrieb pausiert bis Frühling 2022 aufgrund von Renovierungsarbeiten!

Tipp: Besuchen Sie das Storchenhaus & machen Sie einen Spaziergang auf eigene Faust zur Weißstorchkolonie!

www.schloss.marchegg.at

Geschichte

Das Schloss wurde ursprünglich als Stadtburg an der nordwestlichen Ecke der Stadtmauer errichtet. Premysl Ottokar II. gründete nach seinem Sieg gegen den Ungarkönig Bela IV. in der Schlacht bei Groißenbrunn die Stadt Marchegg. Mit fast 60 ha die größte befestigte Anlage dieser Zeit! Versehen mit drei Stadttoren, der Burg und einem riesigen Hauptplatz war Marchegg als wichtiger Truppensammelplatz bei Feldzügen gegen den Osten geplant. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1268 (Patronatsurkunde).
 
Die Stadt wurde 1426 durch die Hussiten zerstört, wobei die Burg aber den Angriffen standhielt. 1502 erhielt Niklas Graf Salm die Herrschaft Marchegg als Pfandbesitz. Bei der ersten Türkenbelagerung wurde Marchegg niedergebrannt, die Burg zwar schwer beschädigt, aber nicht eingenommen. Als Dank für die Hilfe bei der Verteidigung Wiens wurden Graf Salm und seinen Erben die Herrschaft Marchegg erbeigentümlich verliehen. Niklas Graf von Salm starb 1530 am nahegelegenen Salmhof, da die Burg zu dieser Zeit unbewohnbar war. 1621 erhielt Freiherr Paul Pálffy ab Erdöd Herrschaft und Burg. Die Pálffys erlangten auch große Besitzungen im benachbarten Malacky (Slowakei) und standen bis zum 2. Weltkrieg der Herrschaft Marchegg vor.

Umbau & Erneuerungen

Um 1640 wurde unter Paul IV. Pálffy ab Erdöd die Burg großteils abgetragen und zu einem Wasserschloss umgebaut. 1720/33 ließ Nikolaus VIII. Graf Pálffy ab Erdöd das Schloss von Christian A. Oedtl barockisieren und durch einen weiteren Westflügel ergänzen. Der Wassergraben wurde zugeschüttet, die Eckbastionen entfernt – die Südfront erhielt ihr heutiges Aussehen. In der Folgezeit war das Schloss Herrschaftssitz, hauptsächlich aber auch Jagdschloss und Sommerresidenz. Gern gesehene Gäste waren Kaiser Joseph II., Maria Theresia oder Franz Stephan von Lothringen. Karl Graf Pálffy wurde 1807 in den Fürstenstand erhoben.
 
Nikolaus Fürst Pálffy ab Erdöd verlegte nach dem 1. Weltkrieg seinen Hauptwohnsitz nach Marchegg, da er Malacky verlassen musste. Mit dem Tod von Ladislaus Fürst Pálffy ab Erdöd starb 1947 die Marchegger Linie der Familie Pálffy aus. Durch Zerstörungen und Plünderungen in der Nachkriegszeit war das Schloss dem Verfall preisgegeben und sollte auf Veranlassung der Erbin abgerissen werden. Erst durch den Einsatz der Marchegger Bevölkerung und namhafter Historiker konnte das Schloss gerettet werden. 1957 erwarb die Stadt Marchegg das Schloss und erhielt großzügige Hilfe durch die Errichtung des Landesjagdmuseums. Dieses wurde 2000 geschlossen. 2010 wurde durch die Stadtgemeinde die Ausstellung »Es ist ein gutes Land« in den Prunkräumen des Schlosses eingerichtet, um die historische Entwicklung der Stadt von König Ottokar II. bis zum letzten Fürsten Pálffy ab Erdöd aufzuarbeiten. Diese Ausstellung wurde 2012/13 erweitert und durch die Sonderschau »Erlebnis Auwald« ergänzt.

Störche

Jeweils Ende März treffen 70 – 100 Störche in Marchegg ein, um hier zu brüten und die Jungstörche aufzuziehen. Mitte August geht es ostwärts wieder zurück nach Afrika. Vom Hochwasserschutzdamm direkt hinter dem Schloss hat man einen eindrucksvollen Rundblick auf die größte baumbrütende Weißstorchkolonie Mitteleuropas.

Quelle ARGE Marchfeldschlösser am 17. Juli 2020 um 09:02 Uhr

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